Ethik und Moral  im Grab der Vergessenheit

24.10.2018

Betrachten wir unsere Welt von heute, so können oder wollen wir es fast nicht glauben: Es gab einmal eine Zeit, in der die Menschen zutiefst davon überzeugt waren, dass das ganze Universum von einem moralischen Gesetz geleitet wird, und dass derjenige, der dieses Gesetz verletzt, dafür bezahlen muss.

Als nachdenkender Mensch des 21. Jahrhunderts wird man sich nun die Frage stellen, lagen unsere Vorfahren mit dieser ihrer Überzeugung einfach falsch oder sind wir es, heute, die das Wissen um die Gesetze des Universums verloren haben? 

Da wäre zunächst zu klären, was unter den Begriffen Ethik und Moral zu verstehen ist, respektive was die heutige Menschheit mehrheitlich darunter versteht.

Aus Sicht der Philosophie ist Ethik nicht nur das Resultat menschlichen Denkens in Gestalt einer Formulierung konventioneller Regeln für das menschliche Verhalten. Sie gründet sich vielmehr zutiefst auf die Zusammensetzung und den Charakter des Universums selbst. 

Das Herz des Universums ist Weisheit und Liebe, und diese sind von Grund auf ethisch, denn es kann keine Weisheit ohne Ethik geben, noch kann es Liebe geben ohne Ethik, und wiederum kann Ethik nicht ohne Liebe und Weisheit sein. 

Der philosophische Grund dafür, warum die Alten so großes Gewicht auf das legten, was bei den Römern allgemein unter dem Namen 'virtus' = Tugend/Tüchtigkeit bekannt war - von dem das englische Wort 'virtue' stammt - liegt darin, dass sie aus den Lehren großer Mysterien-Schulen wussten, dass Ethik, Tugend/Tüchtigkeit, ein Ausfluss des moralischen Instinktes des Menschen ist, den sie ihrerseits wieder von dem Herzen des Universums, von der kosmischen Harmonie und Liebe herleiteten.  

Ist es nicht allerhöchste Zeit, dass unsere heutige Menschheit die Idee, dass Ethik lediglich eine auf Übereinkommen beruhende Moral sei, die der Mensch erfunden habe, um Reibungen und Gefahren im Zusammenleben der Menschen zu mildern, endgültig in die Rumpelkammer zertrümmerten Aberglaubens wirft? 

Die Begriffe Moral und Ethik stammen aus dem Lateinischen respektive Griechischen und bedeuten 'Gebräuche oder Gewohnheiten', die von den zivilisierten Gemeinschaften befolgt werden. Doch diese unzweifelhafte Tatsache ist in gewisser Weise beschämend für unsere Welt, denn es hat den Anschein, dass wir bis heute noch kein adäquates Wort gefunden haben, das treffend jenes Gefühl für Recht, Wahrheit und Treue, für Gerechtigkeit und Ehre, Weisheit und Liebe zum Ausdruck bringen kann, das in heutiger Zeit so unzulänglich und missverständlich mit den Worten Ethik und Moral umschrieben wird. 

Denn als Moral bezeichnet man jenen instinktiven Hunger des menschlichen Herzens, Gerechtigkeit auszuüben und jedem Menschen Gutes zu tun, weil es einfach gut ist, Befriedigung gewährt und veredelt, so zu handeln.

Wenn der Mensch wieder begreift, dass er eins ist mit allem, was ist, ob innen oder außen, hoch oder niedrig, dass er nicht nur eins ist, wie die Mitglieder einer Gemeinschaft oder die Einzelwesen einer Berufsgruppe eins sind, sondern wie die Moleküle unseres menschlichen Fleisches, wie die Atome der Moleküle, wie die Elektronen des Atoms, jeweils eine Wesenheit bildend - keine bloße Vereinigung, sondern spirituelle Einheit -, dann sieht er wieder die universale göttliche Wahrheit.

Die heutigen Menschen glauben leider nicht mehr an diese Wahrheit, glauben nicht mehr an die Herrschaft von universalen spirituellen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten. Sie glauben nicht mehr daran, dass das Universum und alles Leben darin durch moralisches Gesetz geleitet wird. Vielmehr glauben sie, das Gesetz in ihre eigenen Hände nehmen zu müssen, ohne dabei zu wissen was sie wirklich tun. 

Ist das Wahrheit? Ist das Religion? Ist das Philosophie? Ist das Wissenschaft? Nein! Ganz sicher nicht! Denn in ihrer Essenz verkünden Religion, Philosophie und Wissenschaft gleichwohl die Herrschaft des Gesetzes der Natur; dass dieses Naturgesetz spirituell und daher moralisch ist; dass es eine Ursache gibt, die eine Wirkung hervorruft; und diesen Wirkungen können wir nicht entrinnen, wir können sie weder abändern noch vermeiden. Sie sollen, können und werden die ursächlichen Schritte eines jeden Menschen verfolgen, wie der Wagen dem Fuß des Ochsen folgt, der ihn zieht - eine wunderbare alte buddhistische Weisheit, die eben aus jener Zeit stammt, in der die Menschen noch zutiefst daran glaubten, dass das Universum durch spirituelle und moralische Gesetze geleitet wird. Denken, fühlen oder tun wir etwas Böses, so wird uns so sicher, wie der Wagen dem Fuße des Ochsen folgt, der ihn zieht, dieses Böse verfolgen und in diesem oder in einem späteren Leben einholen. Das ist Religion, das ist Philosophie, das ist Wissenschaft; ganz besonders Wissenschaft, die ja ihre Lehre von Ursache und Wirkung hat, ihre wissenschaftliche Lehre, dass jede Wirkung einer Ursache folgt, die ihrerseits immer einer verursachenden Ursache entspricht.

Doch die Welt der Menschen glaubt mehrheitlich nicht mehr an diese Dinge. Jener landläufig aufgeschnappte Begriff 'Karmageht zwar immer mal wieder wie ein Gespenst umher, doch wissen die Wenigsten, dass damit das kosmisch universale Gesetz von Ursache und Wirkung gemeint ist.

Würde der Mensch allein wieder an dieses eine universale Gesetz glauben, daran, dass alle seine Gedanken, alle seine Gefühle, alle seine Emotionen, alle seine Worte und alle seine Handlungen einerseits zwar ineinanderfließen - dabei ihre Energien und Kräfte vervielfachen -, doch andererseits auch jedes für sich eine URSACHE bildet, die nach dem universalen Gesetz der Harmonie und Liebe, dem moralischen Gesetz von Ursache und Wirkung, entsprechende WIRKUNG hervorbringen wird. 

Würde der Mensch von heute also nur allein an dieses universale Gesetz wieder glauben, wäre unser Leben hier auf der Erde ein Himmel, im Vergleich zu dem was es heute ist. Denn der Mensch würde endlich wieder selbst die Verantwortung für sein eigenes Denken, Fühlen, Reden und Handeln übernehmen, weil es ihm wieder zutiefst klar, zutiefst bewusst geworden ist: dass er allein für sein ethisches und moralisches Wirken verantwortlich ist, dass er allein die Ursachen bewirkt, die sich als Wirkungen sprich Realitäten in seinem Leben, wie im Leben derer, die mit ihm zu tun haben, auswirken.

Es wäre ein wunderschöner menschlicher Phönix der aus der Asche stiege.

(fh)

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