Die heiligen Jahreszeiten

04.01.2019

Die verschiedenen Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter, haben schon seit unvordenklichen Zeiten eine mythologisch tiefgründige, heilige Bedeutung, die von allen Urvölkern erkannt, geehrt und gefeiert wurden.

Der Sprach- und Naturwissenschaftler Prof. Dr. Gottfried von Purucker (1874 - 1942), beschreibt diese mystischen Naturfeierlichkeiten wunderbar nachvollziehbar wie folgt.  

Die heiligsten der alten Mysterien begannen mit der Wintersonnenwende. Zu dieser Zeit wurden bestimmte Männer initiiert, die auserwählt worden waren, weil sie eine bestimmte einleitende Periode der Ausbildung abgeschlossen hatten. Sie wurden nicht willkürlich erwählt, denn diese Auserwählten waren bereit, durch die Prüfungen der Einweihung zu gehen, um die göttlichen Fähigkeiten und Kräfte des inneren Gottes im Menschen zur Offenbarung zu bringen.

Der Initiationszyklus umfasste den Zyklus des Jahres als Symbol für den gesamten spirituellen, intellektuellen und psychischen Lebenszyklus eines Menschen.

Zu den vier Kreuz-Perioden, die das "Kreuz des Universums" zusammensetzen, wie der Philosoph Plato es nannte, fanden die vier großen Initiationszeremonien der menschlichen Existenz statt.

Die erste dieser Initiationen wurde die "Geburt" genannt. Sie fand und findet immer zur Zeit der Wintersonnenwende statt, etwa um den 21. -22. Dezember - eine Zeit, zu der die Christen nun am 25. Dezember das Weihnachtsfest feiern.

Wenn sich diese neue Geburt ereignete, sagten die Menschen: "Siehe! Der Christus im Menschen ist geboren." Oder sie sagten: "Der innere Buddha ist aus dem Gehäuse des Neophyten geboren".

Wenn der Mensch dann in seinem weiteren Leben die Willensstärke und den Mut besaß, seinen Pfad zur zweiten Initiationsstufe fortzusetzen - ganz gleich, wie viele Jahre dies dauerte -, dann kam das "Ostern" seines Lebens, die zweite große Initiation, in welcher der Christus in ihm - nicht geboren, denn das hatte ja schon stattgefunden - sich erhob und seine Stellung als vollentwickelter Meister einnahm, als Lehrer, Leiter, und Führer der Menschen.

Die folgende dritte Stufe findet bei vielen alten Völkern im Mittsommernachtsfest mythologisch ihre Erinnerung. Zur Sommersonnenwende, am 21. - 22. Juni, begannen die Prüfungen des dritten Stadiums. Sie dauerten 14 Tage, begannen bei Neumond, wenn der Mond seinen niedrigsten Stand erreicht hatte, und endeten bei Vollmond. 

So geschah es auch zur Wintersonnenwende oder der "Weihnachts"-Initiation, die am 21. oder 22. Dezember bei Neumond begann und 14 Tage später bei Vollmond endete. 

Das gleiche fand im Frühling zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, dem zweiten Stadium, und ebenso während der Herbst-Tagundnachtgleiche am 21. oder 22. September statt. 

Gemäß der wundervollen, mystischen und wahren alten Astrologie begann jede dieser Initiationszeremonien, wenn Sonne, Mond und Planeten den richtigen Stand hatten.

Jede dieser Initiationsperioden begann zur Wintersonnenwende, zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, zur Sommersonnenwende oder zur Herbst-Tagundnachtgleiche und daher jeweils am 21. oder 22. Dezember, am 21. oder 22. März, am 21. oder 22. Juni und schließlich am 21. oder 22. September; und sie alle dauerten 14 Tage bis Vollmond. 

Dieses Wissen ist den westlichen Völkern so vollständig verloren gegangen, dass es sehr schwierig ist, die wahren Umstände zu beschreiben. Durch die Tatsache, dass sich das, was von den frühen Christen übernommen wurde, durch Mißverstehen, Unwissenheit und kirchliche Bigotterie sehr veränderte, wurden Schwierigkeiten noch verstärkt. Während die Christen zwei dieser großen Initiationsfeste - Weihnachten und Ostern - feiern, wissen sie von den beiden anderen nichts; sie gedenken der beiden ersteren zwar zu angenäherten Daten, doch sind diese deshalb nicht genau, weil sie nicht den exakten astronomischen Zeitperioden entsprechen.

Der Jahreszyklus repräsentierte symbolisch den gesamten Initiationszyklus, dem ein Mensch vom Beginn seiner Schulung an bis zum Ende folgen konnte. Er begann mit der "Geburt", der die "Auferstehung" oder die Hervorrufung des inneren Christus oder Meisters folgte, welche die mystische Jugend war, während das Vorausgegangene die mystische Geburt bedeutete. Die dritte Stufe war die mystische "Majorität" (Volljährigkeit) oder das Erwachsensein, auf welcher der Initiierte oder Meister des Lebens einen aktiven, in der Tat anstrengenden Lebensweg als Lehrer, Führer und Erlöser unter den Menschen begann.

Und schließlich folgt als letzte Periode, der "Eintritt in den Großen Frieden", sofern die Wahl so getroffen wurde. Der Meister verlässt dann für Zeitalter die Welt der Menschen und tritt in andere Sphären ein. Viele verzichten aber auf diese vierte und höchste Initiation, um buddhagleich zu bleiben. Sie bleiben in Liebe und Mitleid für die irrende Menschheit zurück, um den Menschen helfen zu können, sie zu beschützen und zu leiten.

Welch herzerfüllende brüderliche Liebe.

Namaste. 

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