Warum nach dem Tod das Herz mit einer Feder aufgewogen wird.

31.05.2017

Die Weisen und Gelehrten aus unvordenklichen Zeiten, mithin auch jene der alten Ägypter, wussten, dass das menschliche Schicksal weder einer Willkür noch einem Zufall unterliegt. Alles Sein folgt universalen Gesetzen; Aufbau, Evolution und Involution des gesamten Makrokosmos, mit all seinen unzähligen Universen und Lebewesen, bis hin zu allen ihm inhärenten, analogen Mikrokosmen, mit gleichfalls unzähligen inhärenten Universen und Lebewesen. Jeder Mensch ist demnach ein aus unzähligen Universen und Lebewesen zusammengesetzter Mikrokosmos - und nichts evolviert jemals außerhalb der universalen Gesetze und Gesetzmäßigkeiten. Keine Sonne, kein Planet, kein Stern, kein Komet, zieht jemals außerhalb der gesetzlich vorgegebenen Bahn. 

Das symbolische Ritual, die alte ägyptische Zeremonie, vom Aufwiegen des Herzens eines Verstorbenen, wie im Ägyptischen Totenbuch beschrieben, veranschaulicht auf wundervolle Weise das universale Gesetz, die Lehre von Karman, wonach jeder Mensch erntet, was er einst selbst gesät hat.

Die Waage wiegt dabei zweierlei: In der einen Schale liegt das Herz, das Lebenszentrum des Menschen, und in der anderen Schale liegt die Feder der Wahrheit, der Wirklichkeit. Die Wahrheit kann durch nichts bestochen, durch nichts beeinflusst, durch nichts überredet, bewegt oder verbogen werden, weil es im gesamten Makrokosmos nur eine Wahrheit gibt; sie ist göttliches Gesetz an sich.

Unter der nahezu majestätischen Atmosphäre des zeremoniellen Rituals, erwartet den Menschen aber kein Urteil, kein Richterspruch, allerdings auch keine Vergebung. Der Mensch ist von nichts anderem als den Gesetzen des Seins abhängig. Die Waage wiegt absolut genau, nichts beeinflusst sie, nichts veranlasst sie, sich zu heben oder zu senken. Allein der Mensch wird gewogen, und zwar aufgewogen gegen die Wahrheit an sich

Karman ist die Lehre vom Ausgleich und der Vergeltung. Alles was der Mensch denkt, fühlt, empfindet, sagt und tut, lässt eine Wirkung erfolgen, die automatisch zu einem Ungleichgewicht in der Energie-Balance führt. Ungleichgewicht kann sich sowohl positiv wie negativ auswirken. Der Mensch kann der Ernte nicht entgehen, denn er selbst, symbolisiert durch das Herz auf der Waagschale, wird gegen die Wahrheit aufgewogen. Halten sich das Herz und die Feder der Wahrheit die Waage, ist das Herz so leicht und spirituell wie die Wahrheit selbst. Wird das Herz niedergedrückt durch begangenes Übeltun und durch die Anziehung zu den niederen Dingen des Erdenlebens, so bewirkt diese Schwere, diese Last, das Ungleichgewicht und Absinken. Die Feder hingegen steigt auf und ist damit der Beweis dafür, dass das erdverhaftete Herz nicht aufsteigen kann, um die Waagschalen ins Gleichgewicht zu bringen.

Wir säen, was wir ernten, es gibt keine Vergebung. Gäbe es nämlich irgendwo im Universum Vergebung, so würde das gesamte Universum aus seiner ordnungsgemäßen Bahn unbegrenzter Gerechtigkeit hinauskatapultiert. Doch kein Mensch kann eine Sünde begehen, die ewig währt, denn weder sein Geist noch seine Seele sind von unendlicher Ausdehnung. Des Menschen Sünden sind menschlich, weshalb das Wiegen auf der Waage der menschlichen Entwicklungsstufe entspricht. In gleichem Maß sind auch Vergeltung und Belohnung ihrem Umfang nach entsprechend menschlich. Das ist die unendliche Gerechtigkeit von Mutter Natur; jener Natur, die Geist ist, jener Natur, die Göttlichkeit ist und jener Natur, die um uns herum ist, eins mit allem Sein, auch mit uns Menschen.

Sind wir von diesen Tatsachen erst überzeugt, wird sich unser gesamtes Leben verändern. Wir beginnen, uns für unsere Gedanken und ebenso für all unsere Taten verantwortlich zu fühlen. Wir fühlen uns in dem Maße verantwortlich, in dem wir unsere eigenen Gefühle beherrschen können, denn wir sind vor unserem Tod selbst Halter der Waagschalen, des Gleichgewichts; und durch unsere Gedanken, durch unsere Gefühle, Worte und Taten - jene Taten die auf unser Denken und Fühlen folgen - beladen wir unser eigenes Herz mit entsprechenden Gewichten. Nach unserem Tod werden wir dann auf der Waage gewogen, nicht durch irgendein theatralisches Wiegen, wie es in einem symbolischen Ritual zum Ausdruck kommt, sondern auf der Waage des Schicksals. Es ist die gleiche Waage, die uns in diesen irdisch physischen Körper und in dieses Land inkarniert hat. Sie richtet sich exakt danach, was wir in früheren Leben an Gedanken, Gefühlen und Handlungen, an Streben nach Höherem und an all den menschlichen Energiebewegungen (Emotionen) in uns selbst als Samen eingesät haben. 

Lassen wir diese Zusammenhänge zur Erkenntnis reifen und lassen wir sie in unser Herz eindringen und auf unser Gemüt einwirken, wird sich unsere Lebensführung notwendigerweise verändern. Das Wiegen des Herzens - des menschlichen Selbst - auf der Waagschale des Schicksals zeigt uns auch, dass wir unser Leben selbst entweder zu erhabener Größe führen oder es erniedrigen können. Beides geschieht nur in strikter Übereinstimmung mit unseren eigenen Wünschen, dem eigenen Wollen und Bestreben.

Ein jeder von uns ist ein Strahl der geistig-göttlichen Sonne, ein Funke des geistig-göttlichen Herzens. Ein jeder von uns hat gleiche Chancen, die Ewigkeit hindurch. Sollten wir versagen, sind wir selbst unsere Versager, und wir selbst zahlen dafür den jeweils ausgleichenden Preis. Ist der Preis erst bezahlt, steht unserer weiteren Entwicklung nichts mehr entgegen. Wir beginnen mit neuer Hoffnung, mit neuen Chancen und Möglichkeiten. Wir haben unser Konto ausgeglichen, den Preis für den Ausgleich bezahlt. Wir sind befreit und beginnen von vorne. Welche Erhabenheit, Ermutigung und Freude schenkt uns dieses Erkennen!  (f.h.)

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